11.03.2026, 23:48
Excuse me, who were you again?
Diese Vampirin war so anders als alle, denen er jemals begegnet war. Sollte Mammon das beeindruckend finden oder doch eher verstörend? Vielleicht eine Mischung aus beidem? Andererseits… er hatte schon so viel gesehen, konnte man da wirklich von verstörend reden? War es nicht eher so, dass vielleicht sie einen Schaden hatte oder besser gesagt ihr Dämon, der diese menschliche Hülle übernommen hatte? Sie verhielt sich nämlich definitiv nicht normal. Eigentlich somit jemand, den Mammon durchaus interessant fand, zumindest, wenn er in der Hölle gewesen wäre. Er hätte sie vermutlich auf seine Seite gezogen. Doch die Zeiten hatten sich geändert. Er hatte sich ungewollt verändert, auch wenn Mammon noch nicht bereit war, das so gänzlich einzusehen. „aber nur weil man fragt, heißt das nicht automatisch, dass man beeindruckt sein muss von der Antwort.“ Hatte Mammon das behauptet? Naja, natürlich schon gedacht, dass sie beeindruckt war, aber er hatte es nicht verlangt. Mammon hatte sich die eine oder andere Gewohnheit hier auf der Erde abgewöhnt. Leute mussten nicht mehr sich vor ihm beugen und auf die Knie gehen. Sie mussten ihn nicht unbedingt als ihren Herrscher anerkennen, zumindest noch nicht, aber sollten sie hier Respekt vor ihm haben, vielleicht sogar ein wenig Angst? Oh ja, das hatte der Teufelssohn doch noch sehr gern. Diese Vampirin hier hatte aber beides nicht, weder irgendwie… Respekt noch war sie beeindruckt von dem, was sie zu spüren bekam. War er dann doch eher beeindruckend von ihr? Sollte er sie zurechtweisen? Nein, noch nicht und deshalb entschied er sich dazu hierbei fürs Erste seine Worte für sich zu behalten. Doch was sie dann behauptete, dass die Leute ihn hier nicht für voll nehmen würden, wenn er keine Kräfte hätte, nein, da konnte er nicht den Mund halten. “Du solltest besser deinen Mund halten, wenn du keine Ahnung von mir hast.” Denn sie wusste ja nicht, wer hier vor ihr stand. “Du hast einfach nur Glück, dass ich gute Laune habe, sonst würden wir uns ganz schnell woanders sehen.” Was er damit meinte? Nun, im Keller waren Folterräume. Zwar war er etwas aus der Übung, aber das war im Grunde wie Fahrradfahren. Auch mit der nächsten Behauptung lag sie falsch. Doch diesmal konnte Mammon da nur müde lächeln. “Tja, da muss ich dich enttäuschen. Nur die wenigsten wissen, was ich kann oder bin.” Konnte sie ihm jetzt glauben oder nicht. Es war ihm diesmal egal. Mammon wandte den Blick von ihr ab und sah in die tanzende Masse. “Diese Leute denken nur, dass ich einfach der gutaussehende, Piano spielende und singende, reiche Nachtclubbesitzer bin.” Gerade die Menschen hatten doch keine Ahnung, dass sie hier im Nachtclub des Teufelssohn waren. Selbst Dämonen und andere Wesen spürten zwar, dass er mächtig war, mächtiger als sie, aber was er genau war… nein, das wussten nur die wenigstens.
Oh, hatte er das erste Mal eine Reaktion bekommen, die ihr missfiel? Bisher schien es ja so, als würde das irgendwie alles abprallen, aber bei dem Thema Kontrolle hatte Mammon wohl einen wunden Punkt getroffen. Ja, das brachte ihn schon ein wenig dazu, zu schmunzeln. Erst Recht, als sie nun weiter erzählte. “Och… das tut mir ja fast schon leid.” Fing er an und hob dann die Hand. “Nein, warte… nein, eigentlich tut es mir nicht leid.” Korrigierte er sich selbst. “Du und all die anderen Vampire seid doch lediglich niedere Wesen, weder richtiger Dämon, noch ein Mensch. Ihr schwebt irgendwo dazwischen und befindet euch eher am unteren Ende der Nahrungskette. Natürlich entscheiden andere über euch.” Für ihn war das selbstverständlich. Er ist so aufgewachsen. Es gab eben Wesen, die dafür geschaffen waren, über Andere zu herrschen und es gab Wesen, die eben dazu geschaffen war zu folgen. Als sie dann noch anfing davon zu sprechen, dass Kontrolle das Einzige war, was man einem nicht nehmen konnte, musste Mammon nun doch kurz auflachen. “Glaubst du das wirklich?” Fragte Mammon. Sie glaubte das doch nicht wirklich, oder?
Was ihn jetzt jedoch etwas kalt erwischte, dass sie leider Recht hatte. Mammon hatte wirklich eine Ewigkeit geglaubt, dass er über solchen Gefühlen stand. Das wurde ihm so eingetrichtert und dann kam irgendwann diese eine Person und… und es war anders… es war noch immer ein Zustand, den er nicht verstand und ihn ein wenig überforderte. Doch von dieser innerlichen Überforderung bekam die Vampirin nichts mit. Sie würde nur sehen, wie er mit seinem typischen Grinsen da stand und ihr zuhörte. Zum Glück sprach sie ja dann auch schon weiter und sprach von einem Geheimnis. War es denn so ein Geheimnis? Nunja, er posaunte es zumindest nicht mehr so heraus, wie zuvor, aber Mammon versteckte es auch nicht, dass er der Sohn des Teufels war. Wie auch immer. Die Vampirin hatte schnell verstanden, dass Mammon der Teufelssohn war. Reichte das nicht als Erklärung, warum diese Leute hier immer wieder herkamen? Warum sie blieben? Anscheinend nicht für sie. “Weil schon mein bloßes Erscheinen einfach so anziehend ist.” Meinte er kurz und sah wieder zu ihr. “Du als Vampir müsstest doch wohl wissen, dass gerade Menschen sich dem Gefährlichen hingezogen fühlen und es wie eine Art Rausch ist, was man immer wieder spüren will.” Das wusste sie doch, oder? Und dann sprach sie auch schon ihre nächsten Worte. Was sagte sie da? Er und loyaler sein? Was sollte der Blödsinn denn? Er war der Prinz der Hölle! Er musste nicht loyal sein, nur diejenigen, die ihm folgten, mussten ihm gegenüber loyal sein. Wer das nicht war, wurde eben aussortiert. Doch das merkwürdigste kam erst zum Schluss. "..du bist ein komischer Kauz aber ich glaube unter der höllischen Oberfläche kannst du ein ganz netter Typ sein" Irritiert sah Mammon Luana an. “Ich bin weder ein komischer Kauz noch ein ganz netter Typ.” Musste er gleich mal hier klarstellen. “Wenn hier einer komisch ist, dann ja wohl du.” Wie gesagt, sie benahm sich nicht wie ein Blutsauger und das hatte er ihr ja auch schon gesagt.
Wie die Hölle so war? Wollte sie das denn wirklich wissen? Ihren Worten zufolge schon, aber ihre Stimme... War sie sich da wirklich sicher, dass sie das wissen wollte? Mammon grinste. “Bist du dir wirklich sicher, dass du das wissen willst?” Fragte er kurz nach, obwohl das eher rhetorischer Natur war. Einen Moment hielt er noch inne, ehe Mammon schließlich weiter sprach. “Oh, es ist ein wundervoller Ort. Überall sind schreie, wimmern, flehen zu hören… es ist fast schon wie ein wunderbares Konzert. Überall spürt und sieht man die Angst der Sünder. Sie alle wollen, dass es endet, obwohl sie wissen, dass es für sie nie enden wird…” Ja, Mammon verfiel gerade schon in einen Monolog und man merkte ihm an, dass er sich dort heimisch fühlte. Wie auch nicht? Es war seine Heimat, sein Zuhause gewesen. “Alles ist erlaubt und man kann sich seiner Begierde hingeben und diese gefallenen Seelen nach Lust und Laune quälen.” Schwärmte der Teufelssohn und hatte bei seinen Worten einfach wieder in die tanzende Menge geschaut ohne dabei jemand bestimmtes zu beobachten. Wieder folgte kurz eine Stille, ehe er sich wieder zu der Vampirin drehte. “Oh… oder meintest du, wie es für diejenigen ist, die dort unten gelandet und gefangen sind?” Ja, man hörte heraus, dass es ihm irgendwie vergnügte, dies zu fragen, denn das war doch sicher eigentlich ihre Frage gewesen, oder? Wie erging es einem, wenn man in der Hölle landete und sie würde ganz sicher dort landen.

