20.01.2026, 19:25
No Secrets Between Us
Es war auch für Mammon eine neue Situation. Aufmunternde Worte? Nein, eigentlich nicht typisch für ihn. Zum Glück hatte sie ihn darauf nicht angesprochen, denn dann hätte Mammon dies nicht zugegeben. Diese aufmunternden Worte waren eher unbewusst aus seinem Mund gekommen. Nicht mit dem Hintergedanken sie aufzumuntern, sondern weil es irgendwie… naja Fakt war. Wie zu den Engeln die Gnade gehörte, gehörte zu den Menschen auch die Seele. Tja und sie beide wussten, dass es auch seelenlose Menschen gab. Manche hatten ihre sozusagen verkauft und diese waren ganz oben auf der Liste, dass sie in die Hölle kommen würden. Aber auf was Mammon da eigentlich hinaus wollte, war nur weil ein Mensch keine Seele mehr hatte, war er ja dennoch irgendwie ein Mensch. Dieser konnte alles machen, was er vorher konnte. Ja, okay ohne Gefühle, aber der Recht war doch im Grunde gleich. So verhielt es sich vielleicht auch bei Engeln ohne Gnade? Ja, die konnten plötzlich fühlen und mussten etwas von ihren Kräften einbüßen, aber sie waren noch immer Engel, Persönlichkeiten und konnten weiter existieren.
Ok, an ihrem Augenrollen erahnte er schon, was gleich folgen würde.Tja und da war es auch schon. Das Abwinken und kopfschütteln. Vielleicht hatte er ja das heimliche Talent in die kurzfristige Zukunft zu schauen. Das war natürlich albern, aber ein kurzer und lustiger Gedanke. Ob der Teufelssohn ihren Job übernehmen könnte? Nein, absolut nicht, da musste er ihr Recht geben. Doch ehrlicherweise wollte er es auch gar nicht. Er hatte andere Talente. Er war gut darin die Wahrheit so zu verdrehen, dass es zu seinen Gunsten war oder für ihn viel logischer anhörte. Er konnte seine Gefühle leugnen oder ignorieren, singen Klavierspielen und wusste, wie man einen großen Auftritt hinlegte. Er war ungern im Hintergrund, wie vielleicht Lilith es war. Vielleicht waren es auf dem ersten Blick keine wirklich beeindruckenden Talente, aber dennoch nicht zu unterschätzen und wer wusste schon, was noch alles in ihm schlummerte, wenn es wirklich darauf ankam?
„Vielleicht ist es langsam an der Zeit, dass ich mal anfange, meine Liebe zu demonstrieren.“ Jetzt war Mammon, der leicht überrascht seine Schwester ansah. War es für ihn beängstigend die geballte Wut aus ihr herauszuhören? Absolut nicht. Es war eher… faszinierend. Mammon hatte Lilith durchaus schon wütend erlebt, aber so wütend? Nein, das hatte gerade neue Ausmaße genommen und er war sich sicher, dass dies erst der Anfang war. Lilith Wut ohne Gnade war so viel… mächtiger. Mammon konnte es regelrecht spüren. War es das, was sie vorhin gemeint hatte? Mammon beugte sich nach vorn in ihre Richtung. “Meine Unterstützung hast du.” Sicherte er ihr zu. Es war auch nicht einfach nur dahingesagt, sondern der Teufelssohn meinte dies ernst. Zwar liebte er immer mehr das Leben hier auf der Erde, aber dennoch würde er sich gern für den Rauswurf revanchieren.
Doch die gerade noch so mächtige Wut, die Mammon da entgegen gekommen war, veränderte sich als sie über Tan sprachen oder besser gesagt über ihren Aufenthalt oder ob sie überhaupt noch lebte. Mammon glaubte dies, denn es würde am meisten Sinn machen. Tja und Lilith? Diese fing doch tatsächlich an zu heulen! Seine Schwester mit Tränen in den Augen. Sowas hatte er nun wirklich noch nie erlebt und ja, er musste zugeben, dass das eine Situation war, die ihn überforderte. Wie in Dads Namen reagierte man da? Wie gesagt, wenn sie wenigstens sein Typ wäre, dann hätte er es mit Sex angeboten. Wenn sie jemand unwichtig wäre, hätte er sie einfach weggeschickt, aber Lilith war seine Schwester und somit eben keine unwichtige Person. Nun, das erste was Mammon also machte, war nachzufragen, ob sie jetzt wirklich anfing zu heulen. Ja, alles andere als empathisch, aber mal ehrlich. In der Hölle war eben für solche Gefühle kein Plan und Luzifer hatte einen Großteil in Mammons Erziehung dort hineingesteckt, dass er genau solche Gefühle eben nicht kannte bzw. tief in sich verschloss. Solche Gefühle hießen eben Schwäche und ein Nachkomme vom Teufel war nicht schwach! Punkt aus fertig! Deswegen war es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass Lilith prompt meinte, dass er die Klappe halten sollte, denn auch sie war so erzogen worden. Nur war es bei ihr ein wenig anders. Weil sie ein ‘reiner’ Engel war, besaß sie eine Gnade und verfügte daher gar nicht erst über diese Gefühle, wie Mammon mit seiner Seele. Im Übrigen fand er es nicht unbedingt widerlich… es war eher… naja sonderbar und passte so gar nicht zu der erhabenen und mächtigen Teufelstochter.
Vielleicht war es dann gerade seine Seele, die irgendwie ihn dazu gesteuert hatte sein wirklich teures Stecktuch ihr hinzuhalten. Es dauerte aber etwas ehe Lilith dieses wirklich großzügige Angebot annahm. Echt, Lilith hätte es ruhig mal schneller annehmen können. Es war schließlich eine Geste ohne irgendwelche Hintergedanken. Naja, Mammon hatte sich natürlich nicht verkneifen können, dass es nur für ihre Tränen war und was machte Lilith? Tse… diese MUSSTE natürlich provozieren und befleckte das teure Stecktuch auch noch mit ihrem Blut. Nein, noch schlimmer! Sie knüllte es in ihren Händen und warf es ihm dann noch ins Gesicht. Mit einer nicht gerade begeisterten Miene nahm Mammon das Stecktuch aus seinem Gesicht. “Hey! Die Flecken kriegt man vermutlich nicht mehr komplett raus und die Knitter erstmal! Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist immer das passende Einstecktuch für das jeweilige Outfit zu finden?” Also wirklich! Mammon hatte ja eigentlich mit etwas Dankbarkeit gerechnet, so nobel, wie er ihr das angeboten hatte. “Wirklich, nicht zu fassen.” Meinte Mammon, schüttelte den Kopf und leerte sein Glas um sich wieder etwas zu beruhigen. Nein, das half nicht wirklich und so entschied sich der Teufelssohn zu erheben und zu seiner Glasfront zu gehen, wo er in seinen Club schauen konnte. Er sah, wie seine Tänzer*innen übten. Das war ansehnlicher als Lilith.
Doch dann seufzte Mammon und verdrehte die Augen. Herrgott… diese Erde hatte ihn wirklich irgendwie verändert. Wieso sollte er sonst sich wieder zu Lilith drehen ohne irgendwie… wütend auf sie zu sein für diese Aktion? "Ich verstehe schon… die Ungewissheit, was mit Tan ist, dann diese plötzlichen Gefühle, die du hast…” Mammon ging wieder zurück zu Lilith und setzte sich wieder hin. Erneut goss er sich ein und sah dann zu seiner Schwester. “Ich nehme dir es nicht übel mit dem Stecktuch und ich bin auch nicht sauer.” Naja, einigermaßen nicht sauer, aber er wollte sich mal beherrschen. “Ja, ich verstehe schon… du musst dich an all diese Gefühle gewöhnen, die du nur von Menschen kennst.” So, das war doch schon empathischer, oder? “Aber die Reinigung für das Stecktuch zahlst du trotzdem.” Hach, das hatte sich Mammon einfach nicht verkneifen können.

